Die Bilderwelt von Uly Paya in der Vienna Art Gallery



Faust - der Tragödie dritter Teil

von

Uly Paya


Die Arbeit am Faust III wurde am 29.1.1996 begonnen
und ist in einigen Hauptteilen abgeschlossen.
Faust III soll die Sicht auf die Gegenwart der sich
stets wandelnden Geister der Wissenschaft, der Gesellschaft
und des Menschseins erhellen.
Grundidee war die Geschichte des Doktor Faustus im Widerstreit
mit Mephistopheles.
Die Reimform und der Stil sind angelehnt
an Wolfgang v. Goethes Faust I und Faust II.
Ich habe versucht, die Tiefe meiner Einsichten in dieses Stück
wiederzugeben, so wie in der Malerei.

Es wird hier nur ein Auszug wiedergegeben.

Regisseure oder Regisseurinnen von Theater und Film sind von Herzen eingeladen,
zum Zwecke einer öffentlichen Aufführung den Schöpfer zu kontaktieren.


Alle Urheber- und Vervielfältigungsrechte liegen derzeit noch beim Autor.




*** Prolog *** 
  
 
Der Schriftsteller steht auf der leeren Bühne,
die noch im Dunklen liegt. Der Zuschauerraum ist erhellt.
Schriftsteller:

Habt ihr Euch bewogen
die Bretter steh'n zu lassen,
und spannt erneut den Bogen
hinweg der stillen Gassen,
sodass nach Ewigkeiten
ein Theater sich noch findet,
und gar Menschlichkeiten
auf der Bühne hier begründet.

Das Publikum erwägt Gefühle
des wahren Sinns gescheite Pracht!
will sitzend animiert zum Ziele
einer teuflisch-himmlisch' Menschenmacht.
Doch wer glaubt, dem Leben zu entflieh'n,
hat's als Konsument nicht ganz durchschaut,
ihr alle steckt schon mittendrin,
ihr habt euch diesem Stück heut' anvertraut.

Der Sehende misst die Gestalt,
der Hörende den Zweck der Sprache,
der Denkende wohl den Gehalt,
ich mach' die Summe jetzt zu Eurer Sache!
Denn im Amusement des Kleinen, 
zieht ein unbekannter Geist die Fäden.
Der wird Euch da und dort erscheinen,
auf all den unscheinbaren Wegen.

Bedacht seid jetzt, ein Licht geht aus 
(mehrere Licht gehen aus)
und gleich Theaterschein erglüht,
(auf der Bühne beginnt Licht zu strahlen)
wer Mut hat, lebt heut' mit dem Haus
damit der Mensch sich selbst versteht.

Denn schier im geistigen Verfahren,
sollt' Ihr die Lebenskräfte lernen,
Mysterien der Gegenwart erfahren,
vor allem Eure Herzen wärmen.

Im Schreiben! Da war ich im Element,
da kenne ich manch' Wörter Wert.
Doch veschwind' ich jetzt vom Firmament
des eig'nen Schaffenswerk'.
(ab)





*** Hölle ***
Mephistopheles in einem Höllengewölbe, es blubbert ein Teich aus glühender Lava, Stalangiten hängen herab, und Schwefelrauch steigt auf. Mephistopheles: stampft schimpfend hin und her. Ein kleiner Gnom mit riesigen Augen rührt in einem großen Topf eine Suppe um.

Mephistopheles:
Ich wollt', ich wär' in diesen Tagen
ein wenig mehr als mißgeraten.
Da übt man sich den Zauber wund,
und den Seelen geht's zu gut hier drunt',

Wer bin ich denn, wo komm' ich her,
Wenn der Teufel ohne Ehrgefühl?
Wem sag' ich nur, ich kann nicht mehr,
wen kümmert's, was der Teufel will?

GnoMephistopheles: (krächzend)
Sanktus, Sanktus spiritus!
auf Erden längst daheim,
der Himmel ist der Überfluß,
wer ihn kennt, ist sehr allein.

Mephistopheles:
Schlangenweiber, Totensang,
und dichtes Wurmgedränge,
die treibend' Kraft des Müßiggang',
verfolge ich mit Strenge.

Ich könnt' mal nach der Erde schauen,
weil letztens fand ich Spaß daran,
ich konnt' dem Menschsein nicht vertrauen,
obwohl das trieb den Jux voran.
Warum nicht ein paar Mädels graulen,
und die Zeiten neu beleben?
Bevor die Seelen dort verstauben,
werd' ich mein Zuhaus' verlegen.
Mich dürstet's nach dem Menschenspiel,
obwohl ich's nicht so ganz durchschau'.
die Ideen entsteh'n erst im Gewühl,
mit der Vernunft nehm ich's ja nicht genau.



*** Casino ***


In einem Spielcasino, zwei Roulettetische, es wird gesetzt,
die Groupiers verteilen und kassieren. Nichtssagendes Grinsen.


Frau:
Gestern hat ich soviel Glück
wie kaum jemand zuvor,
deshalb bin ich heut' schon müd', 
der Grund, warum ich grad verlor.

1.Groupier:
Willkommen, wer noch nicht gespielt
im Spiele liegt die Freundlichkeit,
der Platz ist warm, die Stimmung mild
und klein ist die Verbindlichkeit.

2.Groupier:
Die Fünfe ist's geworden
da seh' ich schon Gewinn!
Mein Herr, sie warten nicht auf morgen,
sie setzen richtig, das macht Sinn.

1.Groupier:
Nun reichen sie die Gelder weiter,
der Herr will gleich kassieren,
wer gut bedient wird, bleibt stets heiter,
in diesem Haus hat mensch Manieren.

Mathematiker:
Seit Jahren rechne ich mit Zahlen,
dort liegt der Schlüssel für die Welt,
wer ihn kennt, läßt sich bezahlen,
die schönsten Ziffern steh'n am Geld

Esoteriker:
Von Wasseradern und Erzfelder
war ich einst recht angetan.
Jetzt geh' ich nicht mehr durch die Wälder
Jetzt pendel' ich die Zahlen an.
Ein Tiefes faß' ich jederzeit,
nur muß auch ich entscheiden,
d'rum setz' ich doppelt, das ist g'scheid
und jeder wird die Kunst beneiden.

2.Groupier:
Wieder zeigt die Glücksmaschine,
wer am Besten im Geschick.
Und fällt das Glück, wird's zur Lawine,
weil wir zahl'n ein Vielfaches zurück.

Frau:
Der Sterne Kräfte sind zugegen,
um den Zufall zu bezwingen,
ich brauch' nur oft die Karten legen,
und mit Geduld soll's mir gelingen.

Draufgänger:
Da schaut her, ich hab's geahnt,
schon wieder rot und ungerade,
da hab' ich wieder schlecht geplant,
der Teufel find' heut' keine Gnade.

Mephistopheles:
Die Szenerie erscheint mir prächtig,
Glitterzeug an Wand und Leuten,
das Geld verwirrt, macht unbedächtig,
ich hört' auch jemand nach dem Teufel läuten.
Wo Gold und Silber sich nicht reimen
und jeder quält sich zur Gemütlichkeit,
hier läßt der Zufall Dummheit keimen,
der Platz ist gut für Eitelkeit.
Den Tisch hier hatt' ich einst kreiert,
um den Zufall zu bezwecken,
damit der Mensch sich schnell verirrt,
brauch' ich die Wahrheit nur verdecken.
(Ende des Auszugs)